VIETNAM – Cà Phê

1.460.000 Tonnen Kaffee – in Worten: eine Million und vierhundertsechzigtausend – wurden im Jahr 2016 laut Statista in Vietnam geerntet. Das macht Vietnam nach Brasilien zum zweitgrößten Kaffeeproduzenten und damit auch Exporteur der Welt. Und dabei war Kaffee bis zur Kolonialisierung durch die Franzosen in Vietnam gar nicht heimisch. Aber das Klima und die Böden scheinen ideal für den Kaffeeanbau zu sein und zum großen Erfolg beigetragen haben.

phin cà phê

Phin cà phê – Filterkaffee

Welcher Kaffee wird typischer Weise in Vietnam getrunken? – Filterkaffee – phin cà phê – mit Kondensmilch. Dafür wird der Boden einer Tasse mit Kondensmilch bedeckt und ein silberner Kaffeefilteraufsatz mit geriebenen Kaffee auf die Tasse gesetzt und mit heißem Wasser übergossen. Langsam tröpfelt der  Kaffee ins Glas – das braucht Zeit. An den Straßenständen hat man nicht so viel davon – da wird vorher angesetztes Kaffeekonzentrat mit heißem Wasser aufgegossen. Oft bekommt man die Kaffeetasse in einer Schale mit heißem Wasser serviert um den Kaffee warm zu halten. Gerne wird er auch mit Eiswürfeln getrunken – dann heißt er cà phê sữa đá. Wem Kaffee mit Kondensmilch zu süß ist, und oh ja süß ist der Kaffee dann auf alle Fälle, der kann ihn auch schwarz trinken. Auch das ist nichts ungewöhnliches und wird überall angeboten.

Cà Phê

Cà Phê in einer Schale mit heißem Wasser zum Warmhalten

Während des Indochina-Kriegs war Milch eine seltene Ware und meist nur schwer zu bekommen, daher hatte der findige Barmann Nguyen Van Giang, der im Sofitel in Hanoi arbeitete, um 1920 die geniale Idee die Milch im Kaffee durch aufgeschlagenes, gezuckertes Eigelb zu ersetzen. Der Egg Coffee, cà phê trứng, war geboren und wurde bis heute zum Nationalgetränk der Vietnamesen.

cà phê trứng

Cà phê trứng – Egg Coffee

Zubereitung von Egg Coffee:
1. Eiklar und Eigelb eines Eis trennen.
2. Das Eigelb mit 1 Teelöffel Zucker etwa 3 Minuten aufschlagen und in eine Kaffeetasse geben.
3. Etwa die Menge eines doppelten Espressos an Filterkaffee drüberleeren.
4. Umrühren.
5. Trinken, genießen und den Eischaum löffeln.

Sollte man nach Vietnam reisen, ist das „Little Ha Noi“, oder „Goc Ha Noi“ (www.facebook.com/cafe.goc.hn) wie es auf vietnamesisch heißt, in der 165/2 Bui Vien im Backpacker-Viertel Ho Chi Minhs einen Besuch wert. Es bietet fabelhaften Egg Coffee in gemütlicher Atmosphäre und oft auch einen netten Plausch mit der Inhaberin. Sie erklärt auch bereitwillig die Zubereitung von Egg Coffee und lässt einem dabei zusehen. Oder das SongNgoc Coffee (www.facebook.com/songngoccoffeeshop) in der 39 Nguyen Huu Huan Street in Hanoi. Dort wird auch Egg Beer angeboten, was aber kein geschmackliches Highlight ist.

Eine weiter Kaffeespezialität ist der Wieselkaffee (cà phê phân chồn), der als der teurste Kaffee der Welt gilt. Aber der wandert doch einmal durchs Wiesel, oder? Korrekt! Den Wieseln werden die frisch geernteten Kaffeekirschen gefüttert, diese verdauen sie und scheiden sie wieder aus. Die Kaffeebohnen werden dann eingesammelt, gewaschen und für 6 Monate getrocknet ehe sie geröstet werden. Die Enzyme im Verdauungstrakt des Wiesels setzen die Fermentation der Bohnen in Gang, die für den typischen Geschmack verantwortlich ist. Wie er schmeckt? Hmmm – mild und samtig.
Wie man auf die Idee kommt Kaffee aus der S****** von Wieseln zu machen? Zur Kolonialzeit waren die geernteten Kaffeebohnen ausschließlich für den Export bestimmt und die einfachen Erntehelfer bekamen keinen Anteil daran ab. Daher dieser etwas unkonventionelle Umweg über das Wiesel, die damals freilaufend waren und sich selbst an den Kaffeekirschen bedienten. Heute leben die Arbeitswiesel in Käfigen, bekommen einen Tag pro Woche nur Kaffeekirsch und die übrigen Tage normales Futter. Ein Kilo Kaffee produziert ein Wiesel pro Jahr – sollte jemand gerade überlegen eine Wieselfarm im eigenen Garten aufzumachen um seinen Bedarf zu decken oder um im Kaffeegeschäft Fuß zu fassen. Ja und es gibt nicht nur Wieselkaffee, sondern auch Elefantenkaffee – der Produktionsvorgang ist der selbe. Und auch der Preis für das Endprodukt.

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Wieselkaffee, der teuerste Kaffee der Welt

Sollte man auf seiner Vietnam-Reise die Wiesel mal bei der Arbeit sehen wollen, so kann man das auf der Trai Ham Wieselfarm in Dalat (choncoffee.net/weasel-farm). Man wird auf der Farm herumgeführt, kann ein Wiesel streicheln und es mit Crackern füttern, seinen Arbeitskollegen beim Schlafen zu sehen (Wiesel sind nachtaktiv), den Kaffee verkosten und kaufen.

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Ein verschlafenes Wiesel, das für einen Cracker gern seine Nachtruhe unterbricht

Kleiner Kaffee-Sprachführer:
phin cà phê – Filterkaffee
cà phê sữa nóng – Kaffee mit Kondensmilch
cà phê den nong – schwarzer Kaffee ohne Zucker oder Kondensmilch
cà phê sữa đá – Kaffee mit Eiswürfeln und Kondensmilch
cà phê trứng – Egg Coffee
cà phê phân chồn
– Wieselkaffee

2 Gedanken zu “VIETNAM – Cà Phê

  1. Pingback: VIETNAM – Đà Lạt oder das Temperaturempfinden der Vietnamesen | Die große, weite Welt

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