TENERIFFA – El Teide: sin teleferico, a pie

Der Vulkan Teide, die höchste Erhebung Teneriffas und mit 3.718m auch der höchste Berg Spaniens, wurde sicher bereits in zahlreichen Gipfelbüchern verewigt. Den Gipfel zu erreichen mag keine große alpinistische Leistung sein, aber die große Zahl der Gipfelstürmen liegt wohl eher an der Tatsache, dass eine Seilbahn, el teleferico, bis zu einer Höhe von 3.555m führt und die letzten Höhenmeter auf einem gepflasterten Weg zurückgelegt werden können.

Die Möglichkeit der Seilbahnbenützung hat uns jedoch nicht abgehalten unsere Wanderschuhe zu schnüren und den Berg ohne mechanische Hilfe zu erklimmen. Der Plan war dies in 2 Tagen zu machen – am ersten Tag bis zur Schutzhütte Refugio de Altavista (www.volcanoteide.com), dort zu übernachten und zu Sonnenaufgang am Gipfel zu stehen. So weit der Plan!

Die Reservierung des Schlafplatzes war noch relativ einfach. Gescheitert sind wir an der nötigen Bewilligung für die Gipfelbesteigung (www.reservasparquesnacionales.es) – beim besten Willen war online keine mehr zu bekommen. Auch der Anruf im Nationalpark blieb ohne Erfolg. Aber wir wollten uns unsere Wanderung nicht vermiesen lassen, reservierten ein Bett für die Nacht am Berg und hofften vor Ort erfolgreicher zu sein. Dem war leider auch nicht so, aber aus diversen Internetforen wussten wir, dass es vor 9Uhr keine Kontrollen der Bewilligungen gibt, da die Wächter des Nationalparks erst mit der ersten Seilbahn zum Kontrollpunkt gebracht werden.

Wir starteten unsere Wanderung am frühen Nachmittag vom Parkplatz, der Teide war zu dieser Zeit in Wolken gehüllt, aber bis zum nächsten Morgen konnte sich das ja noch ändern. Zweieinhalb bis drei Stunden sollte der Aufstieg zur Hütte laut Wanderführer und Internet dauern. Der erste Teil der Wanderung ist entlang einer…naja…ich würde es ja eine sanft ansteigende, breite Forststraße nennen, aber Bäume gibt es um den Teide auf Grund der Lavafelder weit und breit keine. Vor uns ragte der Berg auf, um uns endloses, steiniges, karges, beiges Nichts.

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El Teide: Nichts so weit das Auge reicht!

Bei der ersten Trinkpause dann die Feststellung – meine Stirnlampe lag noch im Auto! Verdammt! Wie konnte das passieren? Ich hatte sie doch extra in die Mittelkonsole gelegt um sie nicht zu vergessen, denn wie sollten wir noch im Dunklen auf den Gipfel steigen ohne Lampe? Um nochmal umzudrehen, waren wir schon zu weit gegangen, aber wie wir das ohne Lampe bewerkstelligen sollten, wussten wir auch nicht. Die Ungewissheit schlug sich schon etwas auf die Stimmung und Moral.

Nach nicht mal einer Stunde Wanderung erreichten wir die Ebene der Teide-Eier (auf Spanisch: Los Huevos del Teide) – einer Ansammlung von Lavakugeln mit bis zu 35Metern Höhe, die mit etwas Fantasie aussehen wie Eier. Es handelt sich dabei um sogenannte Lava-Bomben, also Lava die zum Zeitpunkt des Ausbruchs in die Luft geschleudert wurde, noch im Flug erkaltete und erstarrte und mehrere Meter Durchmesser erreichen kann.

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El Teide: Die Teide-Eier

Nach den Teide-Eiern wurde der Weg schmaler und steiler – es ging nun steil, in Serpentinen den Berg hinauf. Ein Schritt vor den anderen, immer wieder kurze Trinkpausen und Stopps um Fotos zu machen – eine längere Pause gönnten wir uns nicht. Wegweiser und Angaben dazu wie lange der Aufstieg noch dauern würde, gab es weit und breit keine. Und das Stirnlampen-Problem war auch noch nicht gelöst. Nach zweieinhalb Stunden kamen uns zwei deutschsprachige Mädels entgegen, die wir mal fragten wie weit es denn noch zur Hütte wäre. Oh, doch sicher noch 2 bis 3 Stunden, meinten sie. Wie konnte das sein? Wir hatten doch bisher kaum Zeit verloren und die Gehzeit war mit zweieinhalb bis drei Stunden angegeben! Waren wir so schlecht in Form? Sollten wir lieber gleich umdrehen und zum Auto zurückgehen? Gipfelsieg würde es uns aus Ermangelung der Stirnlampe ohnehin keinen geben, da konnten wir es auch gleich sein lassen. Naja, die Betten in der Hütte waren schon vorbestellt, da wollten wir es wenigstens bis dahin schaffen.

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El Teide: Von nun an gehts steil bergauf!

Die folgenden zehn Minuten waren die reinste Qual, der Anstieg schien plötzlich noch steiler als bisher, wir fühlten uns müde und ausgelaugt, zweifelten an unserer Fitness und mussten uns zu jedem weiteren Schritt aufraffen. Dann lag es plötzlich vor uns! Das Refugio Altavista! Oha! Das ging aber schnell – was hatten uns die Mädels für einen Blödsinn erzählt?

Das Refugio Altavista ist nicht mit einer gemütlichen Berghütte in den Alpen vergleichbar. Sie ist funktional, das Essen muss selbst mitgebracht werden, für Getränke gibt es einen Automaten, die Schlafsäle werden erst um 19:30Uhr geöffnet und um 7:30Uhr wird man wieder vor die Tür gesetzt.

Da dem Aufenthaltsraum jeglicher Charme fehlte und man sich wie in einem Bahnhofswarteraum fühlte, entschieden wir uns noch am selben Tag am Gipfel zu versuchen. Es lagen zwar nur noch etwa 460 Höhenmeter vor uns, aber das über 3.000Metern, sprich wir würden unser Tempo keinesfalls so beibehalten können. Aber wir wollten mal schauen wie weit wir kamen, einigten uns für eine fixe „Umkehrzeit“ mit genug Spielraum bis zum Sonnenuntergang um noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit in der Hütte zurück zu sein.

Es war leicht nebelig, aber der Weg auch ohne Wegweiser klar erkennbar und nicht zu verfehlen. Andernfalls wären wir auch nicht weitergegangen. Unsere Motivation und Kraft war zurück und sie kamen wir gut voran. Und plötzlich waren wir auch schon auf dem gepflasterten Weg der von der Bergstation der Seilbahn auf den Gipfel führte. Auf Grund des Nebels war die Seilbahn gesperrt und damit auch keine Parkranger am Berg. Sprich wir konnten problemlos den Kontrollpunkt passieren, da ja keiner da war der uns hätte aufhalten können.

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El Teide: Niemand da am Kontrollpunkt!

Auf den letzten Höhenmetern mussten wir immer wieder kurze Pausen einlegen um wieder zu Atem zu kommen, aber auf den gepflasterten Stufen ließ es sich ganz passabel sitzen und an den kleinen Schwefelwolken die aus den Ritzen und spalten austraten gut die Finger wärmen. Ja, der Teide ist doch ein aktiver Vulkan und schlafender Riese.

Und dann – tatatadaaaaaa – wir standen am Gipfel! Im Nebel, ohne Aussicht aufs Meer, ohne überhaupt großartig etwas zu sehen. Dennoch glücklich und zufrieden mit uns selbst, es auf 3.718Meter geschafft zu haben! Der höchste Berg Spaniens – Check!

Der Abstieg zur Hütte war dann recht kurzweilig und wir bestens gelaunt! Auf der Hütte verschlangen wir unsere mitgebrachten Sandwichs und Schokoriegel und tranken Tee für Arme (heißes Wasser ohne Teebeutel – wer denkt denn schon daran so was einzupacken?!). Und wie immer wenn etwas anstrengendes hinter einem liegt – es waren die besten Sandwichs und der beste Tee den man sich denken konnte!

Lang schlafen konnten wir am nächsten Tag leider nicht – da die anderen Wanderer recht zeitig Richtung Gipfel aufbrachen. Auch kein Thema, denn wir hatten uns schon etwas eilig zum Parkplatz zu kommen um möglichst bald wieder am Meer zu sein und um uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen zu können.

DETAILS ZUR TOUR:
Auf der Seite des Alpenvereins findet ihr die genauen Informationen für die Tourplanung, wie GPS-Koordinaten, Karten, Wegbeschreibung, Gehzeiten etc., sowie Erfahrungsberichte von Wanderern.

www.alpenvereinaktiv.com

TRIVIA: Der Universalgelehrte Bernhard Varenius wies im Jahr 1664 erschienenen Buch Geographia Generalis den Teide als höchsten Berg der Welt aus. Da der Teide ein freistehender Berg ist, mag er für die Seefahrer des 17. Jahrhunderts am Weg nach Amerika schon eine gigantische Erhebung gewesen sein und aus Ermangelung an Vergleichen und Messinstrumenten kann man da schon mal falsche Schlüsse ziehen…

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El Teide: Der Vulkan bei klarem, sonnigem Wetter.

El Teide

StepMap El Teide

 

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