RUSSLAND – Was ich Freunden vor ihrer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn sagen würde

Du planst eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn? Du willst von Moskau nach Wladiwostok? Woooooohoooo! Eine wunderbare Reise liegt vor dir und auch viele Stunden im Zug!

Folgendes würde ich dir gern vor deiner Reise sagen, dass du ein bisschen weißt was auf dich zukommt und dir vielleicht auch das Leben erleichtert und Fragen beantwortet:

Fahrkarten
Der Fahrkartenkauf für die Züge in Russland ist relativ einfach. Auf der Homepage der russischen Eisenbahn – pass.rzd.ru (und dann auf die Britische Fahne klicken, dann kommt einem nicht mehr alles russisch vor) – kann man ganz bequem nach Zügen suchen, sich den Wagenplan ansehen, die verschiedenen Klassen und Ausstattungen durchgehen, sein Bett aussuchen und buchen. Die Bezahlung erfolgt über Kreditkarte. Man bekommt dann gleich ein eTicket als PDF. Mit diesem könnte man theoretisch auch gleich in den Zug steigen, aber ich empfehle es an einem der Ticketautomaten in den Bahnhofshallen zu einem Papierticket zu machen. Dafür muss man nur den Buchungscode und seine Reisepassnummer eingeben. Warum dieser Umweg? Die Zugbegleiter gleichen beim Einsteigen in den Zug, den Namen und das Geburtsdatum im Reisepass mit dem am Ticket ab – und ihr Sehvermögen ist nicht immer das beste. Außerdem werden im Zug die Fahrkarten abgesammelt und man wird des Nächtens vor seiner Station geweckt. Und bekommt sein Ticket dann zurück. Und man will doch nicht riskieren, dass beim Weckservice irgendetwas schief geht, weil eine Notiz übersehen wurde. Das Fahrkartenabgabeweckssystem funktioniert seit mehr als hundert Jahren, wer weiß wie eingespielt das eTicketwecksystem schon ist.
Und nein, man muss die Fahrkarte nicht gleich für die gesamte Strecke buchen, sondern kann das auch flexibel von unterwegs aus machen.

Die Uhrzeit
Die gesamte russische Eisenbahn läuft nach Moskauer Zeit. Das heißt im Internet und auf Anzeigetafeln werden die Abfahrts- und Ankunftszeiten in Moskauer Zeit angegeben und auch die Uhr im Zug zeigt Moskauer Zeit.

Am eTicket kann man übrigens auch die Abfahrts- und Ankunftszeiten in der Lokalzeit sehen.

Die Fahrpläne
Die Fahrpläne kann man einerseits auf der Homepage der russischen Bahn – pass.rzd.ru – einsehen, aber sie sind auch alle bei ÖBBs Scotty hinterlegt. Aber Achtung – die in der Scotty App angezeigten Zeite sind nach Moskauer Zeit, also auch Scotty rechnet nicht herum.

Die Klassen
Erste Klasse
In der ersten Klasse gibt es pro abgetrenntem Abteil zwei Betten – quer zur Fahrtrichtung. Dazwischen ein kleines Tischchen. Jeder Schlafplatz hat eine Leselampe.

Zweite Klasse
In der zweiten Klasse gibt es pro abgetrenntem Abteil vier Betten – quer zur Fahrtrichtung; jeweils zwei übereinander. Dazwischen ein kleines Tischchen. Jeder Schlafplatz hat eine Leselampe.

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Ein Abteil 2. Klasse

Dritte Klasse
Die dritte Klasse ist ein offenes Großeraumabteil mit Kojen zu vier Betten, quer zur Fahrtrichtung und jeweils zwei übereinander, und zwei Betten längs zur Fahrtrichtung – ebenfalls übereinander. Jeder Schlafplatz hat eine Leselampe.

Zu den 3 allgemeinen Klassen gibt es noch weitere Unterteilungen – so gibt es 2. Klasse Tickets bei denen die Nutzung der Dusche inklusive ist, sowie Essen, eine Zeitung usw.
Das sieht man bei der Buchung an den kleinen eingeblendeten Symbolen – das Schneeflöckchen heißt, dass der Wagon eine Klimaanlage hat, Messer & Gabel, dass Essen inkludiert ist, die Hundepfote, dass man sein Haustier mitnehmen darf usw.

Die Bettwäsche
Die Bettwäsche (Leintuch, Deckenüberzug, Polsterüberzug, Handtuch…) werden im Zug zur Verfügung gestellt.

Wasser
Jeder Wagon hat einen eigenen, fix verbauten Samowar, der stets heißes Wasser ausspuckt. Weiters steht daneben eine Kanne in dem das zuvor aufgekochte Samowar-Wasser auf Zimmertemperatur oder ein Wasserkanister immer bereit steht. Sprich – sauberes Trinkwasser vorhanden! Und weil Wasser schnell fad werden kann, kann man sich bei den Zugbegleitern eine Tasse holen in der man sich dann einen Tee oder Löskaffee machen kann. Außerdem verkaufen sie Coca Cola, Fanta usw.

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Der Samowar stellt die Versorgung mit heißem Wasser sicher

Essen
Da heißes Wasser stets bereit steht, erfreuen sich Fertignudelsuppen die man nur noch mit heißem Wasser übergießen muss auf den russischen Zügen größter Beliebtheit. Im Abteil der Zugbegleiter gibt es auch eine Mikrowelle und so machen einem das Essen auch warm.
Es gibt einen Speisewagen, in dem von früh (wie Frühstück) bis spät (Abendessen) frisch gekocht wird – die Preise dafür sind aber relativ hoch.
Wenn der Zug in einer Station länger Aufenthalt hat, kann man bei den dortigen Standeln auch alles mögliche kaufen – frisches Obst und Gemüse, Eis, Brot, Rückenschrubber, Kekse, Fertignudelsuppen, kalte Getränke, Plüschtiere, Chips, kitschige Souvenirs.
Verhungern muss hier keiner!
Und wie gesagt – es gibt auch Reiseklassen die das Essen schon inkludiert haben.

Bezahlung im Zug
Käufe im Zug können in Rubel oder mit Kreditkarte bezahlt werden. Kreditkartenzahlungen können sich oft etwas ziehen, da nicht überall Empfang für die Kartenlesegeräte besteht. Also lieber genügend Bares dabeihaben.

Internet
Die russische Bahn stellt leider nicht auf allen Zügen WLAN zur Verfügung. Und wenn, dann ist es sehr langsam und die Verbindung reißt immer wieder ab. Mit dem Handy hat man in den Stationen 4G+ und dazwischen immer mal wieder Empfang. Aber da die Besiedelung entlang der Bahnstrecke etwas dünn ist, ist es auch die Netzabdeckung.
Russische SIM-Karten mit unbegrenztem Datenvolumen kann man sich übrigens ÜBERALL (und damit meine ich wirklich an jeder Ecke und zwischen den Ecken) kaufen.

Elektrizität
Die Ausstattungen mit Steckdosen variiert von Zug zu Zug. Manche Abteile haben zwei Steckdosen nur für sich, manche Wagons müssen mit 4 für den ganzen Wagon auskommen. Das heißt – lieber eine Powerbank mitnehmen und mit voll geladenen Geräten in den Zug steigen.
Der Steckdosen-Typ ist übrigens der selbe wie zu Hause, ein Adapter ist also nicht nötig.

Klo
Klos gibt es zwei im Wagon – eins vorne, eins hinten. Wird von den Zugbegleitern sauber und ordentlich gehalten. Daher gibt’s da nichts zu bemängeln. Klopapier vorhanden, Seife auch, Papierhandtücher auch.

Duschen
Hahaha – jetzt kommts! Es gibt auch Duschen! JA! Für 150Rubel darf man diese benutzen und warm ist sie auch noch! Oder die Benutzung ist ohnehin schon im Ticketpreis inkludiert (Duschkopfsymbol). Und man kann sich bei der Zugbegleiterin auch einen Föhn ausborgen. Wunderbar, oder?
Aber hier gilt – nicht jeder Wagon hat eine Dusche, da muss man sich im schlimmsten Fall etwas durchfragen.

Gepäck
Das Gepäck wird entweder im Fach über der Tür aufbewahrt oder unter dem unteren Bett. Es empfiehlt sich mit Rucksack oder Sporttasche zu reisen, da sich diese besser quetschen lassen. Sollte es doch ein Koffer werden, dann sollte der nicht zu hoch sein.
Man kann zwar immer zu seinem Gepäck, aber allzu große und häufige Umräumaktionen werden bei den Abteilkollegen keine zu große Begeisterung hervorrufen. Das heißt lieber alles griffbereit packen oder in ein extra Sackerl oder wie auch immer.
Sollte man Fährräder mitnehmen wollen, oder anderes sperriges Zeugs wie einen Kühlschrank, kann man das im extra mitrollenden Gepäckwagen verstauen. Dieser ist extra zu bezahlen, kann aber beim Online-Ticketkauf gleich dazugebucht werden.

Packliste
Was meine treuen, geschätzten Reisebegleiter für diese Reise waren, dazu gibt es bald einen eigenen Blogpost.

On Bord Entertainment
Dafür bist du selbst zuständig! Manche wenige Züge haben Fernseher in den Abteilen – die zwei Programme die zur Auswahl stehen, sind aber auf Russisch.
Es wird gelesen, aus dem Fenster geschaut, am Laptop Film geschaut, gegessen, Kreuzworträtsel und Sudoku gelöst, Karten gespielt, gestrickt, getratscht usw.

In den Stationen in denen länger Aufenthalt ist (dann gleich mal über 20min), kann man auch aus dem Zug aussteigen, am Bahnsteig auf und ab spazieren und sich mit Essen eindecken.

Hotels/Hostels/Guesthouses
Zahlreiche russische Hotels sind auf Buchungsplattformen wie booking.com gelistet und lassen sich dort auch bequem vorreservieren bzw. spontan buchen. Solltest du zu einer unmöglichen Uhrzeit ankommen, achte auf die Lage der Unterkunft – es gibt auch überall welche die fußläufig vom Bahnhof liegen und es keiner Bus/Taxi-Fahrt durch die halbe Stadt bedarf.

Navigation und Öffinutzung in den Städten
Auf Google Maps ist netterweise das Öffinetzwerk, welches immer ganz großartig war, der russischen Städte hinterlegt, d.h. man kann sich die Route von A nach B auch immer mit den Öffis anzeigen lassen. Bezahlt wird meist direkt im Bus oder der Straßenbahn. Den Preis hat Google Maps auch gleich hinterlegt und die Stationsnamen in lateinischer und kyrillischer Schrift.

Schmutzwäsche
Alle Hotels in denen ich war, haben gratis Wäscheservice angeboten und in den Hostels gab es Waschmaschinen die man für etwa 200 Rubel nutzen konnte.
Stinken muss also keiner! Und zu viel Wäsche mitnehmen auch nicht!

Zeitplan
Fährt man die Strecke von Moskau nach Wladiwostok in einem durch, so benötigt man dafür 6 Tage und 2 Stunden.
Das würde ich aber keinem empfehlen, aber mir fehlt auch die Erfahrung wirklich gute Empfehlungen abzugeben wie oft und wo man Zwischenstopps für wie lange einlegen sollte. Zu meinem Zeitplan gibt es bald einen eigenen Blogpost.

Zwischenstopps
Wie oben erwähnt bin ich kein Russland-Experte und kann keine Pro und Contras für manche Städte nennen, aber eins kann ich sagen – den Baikalsee auszulassen (was vermutlich keiner tun würde) und sich dafür zu wenig Zeit zu nehmen würde man auf ewig bereuen!

Temperaturen im Zug
Im Winter der Zug laut zahlreicher Quellen immer gut warm gehalten, das gilt wahrscheinlich auch für die Übergangszeit. Im Sommer gibt es Wagons mit Klimaanlage und welche ohne. Da sich die Fenster nicht öffnen lassen, ist ein Wagon mit Klimaanlage wohl einem ohne vorzuziehen.

Transsib Fashion
Was trägt man auf einer so langen Zugreise? Jogginghose und Schlapfen – weil genau das trägt das Gros an Mitreisenden auch. Hübsch gemacht wird sich erst wieder kurz vor dem Aussteigen.

Russisch
Ich würde behaupten, man kommt auch ohne Russischkenntnisse ganz gut durch. Überraschender Weise findet sich immer wieder jemand der ausgezeichnet Deutsch oder Englisch spricht (die jüngere Generation sowieso) und Google Translate ist Gold wert.
Was das Leben einfach macht, ist wenn man kyrillisch lesen kann. Vieles ist zwar auch in lateinischer Schrift angeschrieben, aber bei weitem nicht alles.

Hast du noch Fragen? Wie gesagt – ich bin kein Russland-Experte, sondern nur ein einfacher Transsib-Reisender. Aber wenn du denkst, dass ich dir vielleicht mit der Tatsache einfach schon dort gewesen zu sein weiterhelfen kann, dann kannst du mir gerne schreiben: diewindrose ät gmail Punkt com

Transsibirische Eisenbahn

StepMap Transsibirische Eisenbahn

 

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