TRANSSIBIRISCHES TAGEBUCH (10) – Wladiwostok, Beherrsche den Osten

Etappe: Chabarovsk – Wladiwostok
Kilometer: 8.493 – 9.288KM

Dies ist der letzte Bericht aus Sibirien!
Vermelde – bin  gegen 8:30Uhr Ortszeit  in Wladiwostok eingerollt!
Etwa eine Stunde davor habe ich das erste mal den Pazifik durchs Zugfenster gesehen – woooooohooooo!
Der Nebel in Wladiwostok ist so dicht, dass man kaum die Dächer der Hochhäuser sieht und auch die berühmte Brücke sieht man nur schemenhaft.
Wladiwostok ist ja der Stützpunkt der russischen Pazifikflotte – das heißt Matrosen in dunkelblauen Shirts mit weißem Kragen gehören zum Stadtbild. Ebenso die ganzen Kriegsschiffe die im Hafenbecken dümpeln. Und Chinesische Reisegruppen. Denn die Chinesische Grenze ist nicht weit – und dort ist im Gegensatz zu Russland das Glücksspiel verboten.

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Wladiwostok im Nebel

Das war also die Geschichte der 9.288 Kilometer langen Zugreise durch Sibirien – 6 Tage und Nächte im Zug und einigen mehr in Hotels entlang der Strecke, 20x habe ich Kaffeepulver in das heiße Wasser in meinem  Teeglashaltern gerührt, 40x Teebeutel darin verstenkt, mehrmals im Speisewagen auf der Karte auf eine Speise gezeigt um dann ein Njet zu hören, unzählige Male an Stationen irgendwo im nirgendwo aus dem Zug gesprintet um sich bei einem kurzen Zwischenstopp die Beine vertreten zu können. Die Geschichte von Zugbegleiterinnen die schier endlos beim Einsteigen mein Ticket  gemustert haben, von Menschen die emsig in Google Translate getippt haben um mit mir kommunizieren zu können, vom Duft von Fertignudelsuppe der Mittags durch die Abteil wehte, vom Betten überziehen auf engstem Raum, von pünktlichen Zügen, vom Herumrechnen zwischen Moskauer Zeit und Lokalzeit und ganz viel Birkenwald.

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Kilometer 9.288 am Bahnhof von Wladiwostok

Russland, das ist nicht nur graue Sowjetarchitektur, sondern auch hübsche Holzhäuser, Backsteinhäuser, orthodoxe Kirchen mit goldenen Zwiebeltürmen und Jahrhundertwendehäuser. Und Natur, so viel Natur, dass man 6 Tage und Nächte durch sie Zugfahren muss um begreifen wie viel Birkenwald es hier gibt.
Und die Russen? Ach, die sind sowieso super, freundlich, nett und hilfsbereit. Und die denkbar rücksichtsvollsten Zugfahrer!
Und was ist mit Putin? Warum ist der in der Geschichte bisher noch nicht vorgekommen? Tja, tut er am Ende doch. Ich habe im Tausch gegen Mozartkugeln nämlich einen Glitzermagnet mit einem auf einen Bären reitenden Putin geschenkt bekommen. Ja, ihr Neider – so etwas verdient man sich nur, wenn man so weit mit dem Zug fährt!

Obs das jetzt war mit Russland? Oh nein! Für den Baikalsee habe ich mir viel zu wenig Zeit genommen, ich möchte die Insel Olchon mit dem Kajak umrunden und den Great Baikal Trail entlangwandern, ich will in die Nationalparks die diesmal geschlossen waren, ich will den Baikalsee im Winter sehen und überhaupt Sibirien im Schnee, ich will nach Kamtschatka zu den Vulkanen und Bären, im Altai Gebirge wandern, nach Jaktusk zu den gefrorenen Mammuts und nach St. Petersburg und Wolgograd. Und die ganze Strecke mit der Transsibirischen Eisenbahn? Immer wieder gern!

Danke fürs Mitlesen und Begleiten der Reise!
Liebe Grüße vom Pazifik!

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