TRANSSIBIRISCHES TAGEBUCH (9) – Chabarovsk und der Amur Tiger

Irgendwie habe ich die 50 Stunden im Zug hinter mich gebracht und eigentlich klingt es wesentlich schlimmer, als es tatsächlich war. Man bekommt die Zeit hinüber und langweilt sich überraschender Weise nicht.

Bevor wir in Chabarvosk eingerollt sind, haben wir die gigantische Eisenbahnbrücke (mehr oder weniger baugleich mit der ehemaligen Linzer Eisenbahnbrücke) über den 2 Kilometer breiten Fluss Amur überquert. Die Brücke war eine der größten Meisterleistungen der Ingenieurskunst auf dieser Strecke heißt es…und eine über 2 Kilometer lange Brücke hat schon etwas. Vor allem viel Wasser unter sich.

Chabarovsk liegt unweit der chinesischen Grenze und irgendwie wartet man mit jedem Kilometer mit dem man mit dem Zug weiter Richtung Osten rollt, endlich asiatische Einflüsse zu erkennen. Fehlanzeige! Der Anteil der recht gesteuerten Autos liegt mittlerweile bei 100%, aber das wars auch schon. Backsteinhäuser, Holzhäuser, Plattenbauten, Sowjetarchitektur, breite Boulevards, Leninstatuen – alles wie gehabt. Keine Drachen, keine geschwungenen Dächer, keine roten Lampions.

Die Russen sind übrigens wahnsinnig rücksichtsvolle Autofahrer! Hält man als Fußgänger nur seine kleine Zehe auf die Straße, egal ob dort da eine Ampel oder ein Gehsteig ist, wird stehengeblieben. Egal wie breit die Straße ist – man kann sich sicher sein, alle halten an! Beeindruckend! Ein Russe, den ich stellvertretend für alle seine Landsleute für diese fußgängerfreundlichen Autofahrer gelobt habe, meinte, dass das erst seit einigen Jahren so wäre – davor herrschte auf den Straßen das Recht des Stärkeren. Aber mittlerweile würde alles mit Video überwacht werden, da traut sich keiner mehr Fußgänger einfach umzufahren. Da schau an! Autofahrer wären also theoretisch lernfähig!

Was die Straßen in russischen Städten angeht, so heißen die drei größten, prächtigsten Straßen IMMER Lenin-Straße, Gagrin-Straße und Marx-Straße. Und bisher waren ich glaube ich noch in keiner Stadt ohne Lenin-Platz plus Lenin-Statue. Das ist ganz praktisch – kurzer Blick auf den Stadtplan und man weiß, dort wo Gagarin zu finden ist, da sind auch nette Lokale zu finden.
In Chabarovsk ist die Marx-Straße der große Einkaufsboulevard, mit schicken Bauten (Backstein und ästhetischer Sowjetstyle), internationalen Ketten und Eisstandln an jeder Straßenkreuzung. Der Lenin-Platz beherbergt geschätzt doppelt so viele Tauben wie der Markusplatz in Vendig – sie sind ÜBERALL! Sie hocken auf den Stromleitungen, in den zahlreichen Brunnen, am Boden…und nichts kann sie mehr aufschrecken! Wahrscheinlich sind sie zu voll gefuttert und können gar nicht mehr fliegen.
Die Amur Straße geht vom Bahnhof zum Fluss Amur und hat in der Mitte einen breiten grünen Park, der sich über geschätzt 3 Kilometer zieht. Wieder mit Eisstandln und Kukeruzverkäufern. Am Fluss Amur gibt’s einen Vergnügungspark mit Riesenrad – von oben sieht man erst wie mächtig der Fluss Amur ist…

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Der Lenin Platz in Chabarovsk

Mit Wanderungen in Nationalparks will ich irgendwie kein Glück haben. Ich habe an der Rezeption im Hotel gefragt wo ich wandern könnte. Vorschlag 1 – im Dynamo Park, 2 Stunden wäre die Runde dort schon lang. Tja, dort ware ich schon – der liegt Mitten in der Stadt und 2 Stunden braucht man, wenn man an jedem Zuckerwattestand Halt macht. Vorschlag 2 – ein Nationalpark etwas außerhalb. Heimat des Amur-Tigers. Super! Ich komme dort an und die netten Damen von der Nationalparkverwaltung (das hab ich mir jetzt zusammengereimt) geben mir zu verstehen, dass der Park geschlossen ist. Ob Amur-Tiger versucht haben Wanderer anzufallen oder ob es andere Gründe hatte, konnte ich nicht herausfinden. Mein Taxi-Fahrer hat dann eifrig mit der Rezeptionistin meines Hotels telefoniert (die Rezeptionistin spricht Englisch, der Taxifahrer nicht) und wollte mich dann zu einem anderen Park bringen… Man nimmt was sich anbietet! So bin ich im Zoo von Chabarovsk gelandet. Sagen wir mal so – meine erste Wahl war es nicht. Und die Tierhaltung und vor allem die Käfiggröße macht einen schon traurig…aber das positive: Ich habe den stark gefährdeten Amur-Tiger gesehen! Und Bären! Und Füchse! Und Adler! Also alles was da draußen in den Birkenwäldern vorm Zugfenster lebt, sich aber nicht gezeigt hat!

In einer Stunde treten ich meineletzte Etappe an – Chabarosk nach Wladiwostok! Dann ist es geschafft! Ich bin am Pazifik!

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Der Bahnhofsvorplatz in Chabarovsk

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